»Gottesdienstfeier«

In der Kirche Zeitverschwendung. Ich frage mich, was es zu feiern gibt. Aber heißt das, dass die Rückversicherung von Arbeitern am Weinberg Gottes in unserem Sinn untereinander, Gruppe, Rituale, Liturgien, …, Blödsinn sind? Ich meine nein.

(Eine Antwort:)

Es gibt verschiedene Erfahrungen mit Gottesdiensten, die Beobachtung ist ja, dass immer weniger Menschen Gottesdienste besuchen, das gilt sowohl für die evangelische wie auch für die katholische Kirche. Zwei für mich positive Erfahrungen sind folgende:
1. Eigentlich war es ein ganz normaler evangelischer Gottesdienst, den ein aftrikanischer Pfarrer (der für drei Jahre im landeskirchlichen Dienst in Deutschland war) durch Trommeln und Einüben von Liedern eingeleitet hat. Er hielt dann eine Predigt von der Kanzel, die er völlig frei improvisierte, indem er den Text auf die Menschen bezog, die er (und das war möglich) von der Kanzel aus direkt anredete. Die Kollekte am Schluss wurde tanzend eingeholt.

2. Bei den Quäkern erlebte ich Gottesdienst, den sie „Stille Zeit“ nannten. Sie kamen dabei ohne Ritual aus. Wir saßen im Kreis, versammelten uns um einenText, den jemand einbrachte. Immer wenn jemand etwas zu dem Text sagte, entstand ein Raum der Stille, bevor ein anderer das Wort ergriff. Es war ein erholsames Nachdenken. Ein „Lehrhaus“ in meditativer Form.

(Hartmut Futterlieb)

One Reply to “»Gottesdienstfeier«”

  1. Ein weiteres Gegenbild, ohne Anspruch auf genaue Historizität:

    Sklaven, die davon gehört haben, dass die Nachfolger eines Chrestos oder ähnlich an einen Gott glauben, der auf Seiten der Sklaven und nicht der Herren ist, melden sich bei ihren Herren zur Grabpflege für Angehörige ab und teilen mit anderen Gesinnungsgenossen im Geheimen, neben den Grabkammern, in unterirdischen Tunnelsystemen, Agapemähler, Mahlzeiten der Solidarität. Die Treffen zeichnet aus, dass dort alle, ungeachtet ihrer gesellschaftlichen Stellung in der Welt oben, Würde haben und so behandelt werden, als wären sie erstgeborene Erben, nur eben: Gottes, nicht eines irdischen Grundbesitzers. Weil hier nicht Knechte zu neuen Herren werden sollen, sondern sich alle auf Augenhöhe begegnen.

    Dabei brechen sie das Brot, als ihr Zeichen, so, wie es der Anführer der ursprünglichen Gruppe, von dem diese unerhörte neue Lehre ausging, immer getan haben soll.

    Sie sprechen Segen füreinander: Der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne im Retter, Jesus, unserem einzigen Herrn. In seiner Lehre.

    In den verstörenden, merkwürdigen Erzählungen geht es vor allem um das Reich Gottes, um ein Reich, das laut Jesus schon begonnen haben soll, und in dem die Letzten (nämlich der Großteil derer, die sich da treffen) die Ersten sein sollen.

    Sie sprechen kraftvolle Gebete: Unser Vater (hey, das soll der Gott sein!),

    der du eins bist mit dem Himmel, dein Name ist heilig. (Dieser Gott hat keinen Namen, sie hat es verboten. Der Gott heißt allenfalls »Ich bin, der ich bin«. Man darf ihren Namen nicht aussprechen, um ihn nicht so klein zu machen wie den Jupiter!)

    Dein Reich komme, dein Wille geschehe, nicht bloß in einem Jenseits, sondern hier und jetzt auf Erden. Wenn das Reich dieses »Ich bin« unsere Knechtschaft und Sklaverei und überhaupt alle Knechtschaft und Sklaverei beendet, dann wollen wir ganz entschieden, dass dieses Reich jetzt und sofort kommt, mit Macht. (Der heutige Kirchgänger hat vom Reich Gottes bestenfalls als einem geistigen Reich gelernt. Das darf gern kommen, schadet ja nicht. Lang hat sie gepredigt heute, jetzt hab ich das Essen nicht fertig, wenn …)

    Unser tägliches Brot gib uns heute. (Apropos, täglich Brot, dass die Tafel ausgerechnet am Kirchplatz aufmachen muss, mitten in der Stadt, das wäre jetzt aber nicht nötig gewesen. Neulich beim Grillen beim Gemeindefest waren die noch nicht ganz fertig, sind alle bei uns vorbei gezogen und haben über den Zaun geschaut, aber in der Kirche sieht man die nie. Es kann doch nicht nur ums Essen gehen.)

    Und vergib uns unsere Schuld: Wenn wir scheitern, gibt es immer wieder einen Neuanfang, es ist nie zu spät, es ist nie vorbei, es ist nie zu oft gescheitert. Wie auch wir vergeben: Und das sagen wir auch der Genossin und dem Genossen, die scheitern, an sich selbst oder an der Übermacht der herrschenden Ordnung. Denn Zeiten, wo wir denken, dass wir keine Chance haben, dass alles umsonst ist, haben wir alle. Wie denn nicht, wo es überall und auch in den eigenen Reihen immer wieder welche gibt, die Herren sind oder spielen, und wo die Versuchung, sich ideologisch und im Verhaltenskodex zu arrangieren, den Weg geringeren Widerstands zu gehen, bis in unsere Gemeinden wirkt. Aber nie dürfen wir sagen: Jetzt reichts, jetzt darfst du nicht mehr mitmachen. Jeder, der ernsthaft bereut und weiter mitmachen will, darf wieder mitmachen. Immer, immer wieder.

    Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Übel. Die Versuchung, sich hochzudienen, sich zu arrangieren, sich das unmündige Leben schönzureden, sich selbst zu Herren zu machen, die Versuchung ist groß. Die Selbstausbeutung zu bekämpfen, die Angst vor den Herren und ihren blutrünstigen Göttern, die Angst vor meiner eigenen Fehlbarkeit zu überkommen, dem Gott »Ich bin«, dem ganz anderen, emanzipierten, solidarischen Lebensentwurf zu folgen, das ist absolut der schwerste Weg von allen. Die anderen ungeachtet ihrer Leistung und ihres Erfolgs mit der immer gleichen Würde zu behandeln, mich selbst auch für Misserfolge und unsolidarisches Verhalten zu achten und es immer wieder anzugehen, das ist so schwer. Das kann man gar nicht allein. Erst eine Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung, deren Regeln uns an die Solidarität und die Gleichheit und Freiheit jedes Lebewesens immer wieder erinnern, erst das Reich Gottes kann uns wirklich erlösen.

    Amen. So sei es.

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